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Lehramtsstudenten in Alaska

by Christoph Schindler last modified 14:58, 17.09.2008

Die Fulbright Kommission und das Department of State veranstalteten dieses Jahr zum dritten Mal das Programm "European Student Leaders in Education" an welchem der 1. Vorsitzende der Fachschaft Lehrerbildung Christoph Schindler, teilnahm. Das fünfwöchige Programm wurde an der Universität von Alaska Anchorage durchgeführt und endete mit einem Debriefing im Department of State in Washington.

Lehramtsstudenten in Alaska

Department of State

Ziel der Veranstaltung:

- Vorstellung des amerikanischen Bildungssystems, der Methoden,

Didaktik und Pädagogik

- großes Thema Diversity; im Schulbezirk von Anchorage werden über 90

Sprachen gesprochen

- Verbesserung der Englischkenntnisse

 Es waren insgesamt 13 Teilnehmer aus Spanien, Frankreich, England und Deutschland dabei.  Die Bewerbungsphase startete im Februar 2008. 

Jeder Bewerber reichte zwei Empfehlungsschreiben, zwei Aufsätze zum Thema Bildung in englischer Sprache, alle Studienleistungen sowie das Abiturzeugnis ein.

 Ein einstündiges Auswahlgespräch in Berlin, welches zu 2/3 in englischer Sprache geführt wurde, bildete den Schluss des Bewerbungsprozesses.

Unter nachfolgendem Link wird der Anfang der Bewerbungsphase für 2009 bekannt gegeben:

http://www.fulbright.de/diversity.html

 

1 Akademischer Teil

Der akademische Part war der Hauptbestandteil des Programms und lässt

sich in unterschiedliche Teilbereiche aufgliedern.

1.1 Vorträge und Präsentationen

Ein wichtiger und großer Bestandteil des Programms waren Vorträge und
Präsentationen zu vielen unterschiedlichen Themen. Die Dozenten waren
durchwegs gut vorbereitet, engagiert und gingen immer auf unsere Wünsche
und Fragen ein. Die Themen waren gut ausgewählt und interessant. Viele
der Vorträge boten jede Menge Diskussionsstoff innerhalb der Gruppe.

Wir hörten einige Präsentation über das amerikanische Bildungssystem
und wie es in Alaska angewandt wird. Ganz besonders interessant war dabei
das Thema Diversity und wie es gehandhabt wird. Im Schulbezirk Anchorage
werden 95 Sprachen gesprochen und viele Schüler sprechen Englisch nicht
als Muttersprache. In Deutschland, speziell an den Hauptschulen aber auch
Berufsschulen, gewinnt das Thema Diversity immer mehr an Bedeutung. Wir
erfuhren viel über Maßnahmen und Methoden die wir sicherlich auch in deutschen
Klassenzimmern erfolgreich anwenden und einsetzen können.

Die Vorträge über Politik und die amerikanische Regierung boten viel
Diskussionsstoff, teilweise auch mit den Dozenten. Hervorheben kann man
hier den Vortrag von David Little mit dem Titel “History and Government
in the United States”. Der Vortrag war leidenschaftlich, interaktiv, anschaulich
und lebendig. Diskutiert wurde über den Irak Krieg, Guantanmo und
die Sicherheitsbestimmungen in den USA. Er verglich die Situation und das
Denken der amerikanischen Bevölkerung vor und nach dem elften September
und konnte so viele Fragen klären.

Sehr interessant und gewinnbringend waren die Vorträge über Methodik,
Didaktik und welchen Einfluss ein angenehmes Klima an der Schule haben
kann. Wir erfuhren viel über Methoden und Möglichkeiten um alle Schüler in
leistungsinhomogenen Klassen zu fördern. Aufschlussreich war, welch positive
Auswirkungen das Erlernen von Umgangsformen, die Gestaltung des Klassenzimmers
oder eine Begrüßung der Schüler mit Namen, auf die Leistung
der Schüler hat. Es ist erstaunlich wie, durch oftmals nur kleine Maßnahmen,
das Klima in der Klasse und die Leistung der Schüler verbessert werden kann.
Gespannt folgten wir den Ausführungen über Native Americans in Alaska.
Wir erfuhren viel über die Geschichte, Lebensweise damals und heute, die
Maßnahmen der amerikanischen Regierung und auch über Bildung, Unterricht,
Methoden und Probleme in den Schulen. Ein Vortrag über die Unterstützung,
die Studenten aus ländlichen Regionen und abgelegenen Dörfern
erhalten, wenn sie an die Universität nach Anchorage kommen war sehr interessant.
Viele dieser Studenten haben große Probleme sich mit der neuen
Situation in einer großen Stadt ohne ihre Familie zurecht zu finden. Sie haben
oft Heimweh was zu übermäßigem Alkoholkonsum oder sogar Selbstmord
führen kann. Durch die Unterstützung die sie durch die Universität erfahren,
kann dies weitgehend verhindert werden und die meisten dieser Studenten
studieren sehr erfolgreich. Viele kehren nach ihrem Abschluss wieder in ihre
Heimatdörfer zurück um dort dann zu unterrichten.

1.2 Selbständig anzufertigende Arbeiten

Neben den Vorträgen haben wir auch selbstständig viel erarbeitet. Das Thema
“Philosophie von Bildung und Erziehung” war das erste große Thema
das durchgenommen wurde. Die Informationen erarbeiteten wir uns mit den
bereit gestellten Informationstexten zum Großteil selbst. Die Themen wurden
in verschiedene Bereiche aufgeteilt und von unterschiedlichen Gruppen
bearbeitet. Jede Gruppe präsentierte den anderen Gruppen ihre Ergebnisse.
Dabei lernten wir viele Methoden kennen um komplexe Inhalte schnell, effektiv,
kreativ und anschaulich aufzubereiten.
Das Thema Philosophie war hochinteressant, inspirativ und veränderte
oder erweiterte unsere Sichtweise auf viele Dinge. Die beiden Essays zum
Thema Philosophie in denen wir Fragen wie: “What is the role of Education
in a diverse, democratic society” oder “What does it mean to be a teacher”
und viele mehr, diskutierten, waren ebenfalls sehr aufschlussreich und gewinnbringend
für jeden von uns.

Ein großes Projekt war die Erstellung eines Lernzirkels über die Geschichte
des amerikanischen Bildungssystems. In Gruppen wurden die verschiedenen
Zeitabschnitte bearbeitet und Lernstationen erstellt. Nach Fertigstellung
des Lernzirkels wurden die verschiedenen Stationen von allen Gruppen
durchlaufen. Eine Anforderung an die Stationen war, dass Wissen interaktiv
vermittelt wird. Dies trug dazu bei dass ein sehr umfangreiches und vielleicht
sogar langweiliges Thema, lebendig, interessant und sehr effektiv vermittelt
wurde. Dies beweist eine Leistungsfeststellung nach durchlaufen des Lernzirkels.
Wir waren alle begeistert als wir sahen wie erfolgreich so viel an Wissen
in so kurzer Zeit vermittelt wurde und wie viel davon wir auch noch nach 2
Wochen ohne Probleme abrufen konnten.

 In der letztenWoche bekamen wir die Aufgabe, eine Stundenausarbeitung
über irgendein Thema, das wir innerhalb der letzten Wochen durchnahmen,
anzufertigen, um diese Unterrichtsstunde dann mit einer Klasse oder Gruppe
durchführen zu können. Es waren wirklich tolle Ausarbeitungen mit richtig
guten und kreativen Ideen dabei die wir auch untereinander austauschten.
Ich schrieb ein Programm für das Seminarwochenende der Fachschaft Lehrerbildung.
Dabei wählte ich nicht einfach nur ein Thema, sondern verwendete
die Methoden, die wir in den vier Wochen kennen lernten, um die geplanten
Inhalte zu vermitteln. Ich habe sehr gutes Feedback bekommen. Die Professorin
hat es sogar als Leadership Training bezeichnet.

1.3 Eigene Präsentationen und Vorträge

Wir hörten nicht nur Vorträge, wir durften auch selbst Vorträge halten. Die
erste Gelegenheit vor Publikum in Englisch zu sprechen, war durch eine persönliche
Autobiographie. Wir sprachen zehn Minuten über unsere Herkunft,
die schulische Laufbahn, warum wir Lehrer werden wollen, an welcher Schule
und welche Fächer wir unterrichten werden. Jeder fertige ein Poster an, das
später im Büro aufgehängt wurde.

Der zweite Vortrag war Gruppenintern bei einem unserer Dozenten. Jeder
von uns sprach 10 Minuten über einen Wert im Leben der besonders wichtig,
prägend und bedeutend für jeden einzelnen ist. Bei dieser Aufgabe war
die größte Herausforderung herauszufinden welchen Wert man wählt. Es war
interessant, sehr aufschlussreich und bereichernd, diesen Wert zu finden und
in Worte zu fassen.


Das Highlight der Vorträge bildete die Gemeinschaftspräsentation “The
new Face of Europe”. Dabei sprachen die Teilnehmer aus den verschiedenen
europäischen Ländern über ihr jeweiliges Bildungssystem mit allen Vorteilen,
Nachteilen, Möglichkeiten und Problemen. Die Präsentation war für die
Öffentlichkeit zugänglich und wurde im Internet, im Radio und in der Tageszeitung
angekündigt. Die größte Schwierigkeit für die deutsche Gruppe war
das doch sehr komplexe und vielfältige deutsche Bildungssystem innerhalb
von 20 Minuten zu erklären. Wir hatten jedoch ein gutes Konzept, eine tolle
Power Point Präsentation und sogar einen interaktiven Part, in welchem
wir das Publikum miteinbezogen. Wir bekamen ausgezeichnetes Feedback.
Unsere Präsentation und auch die Art des Vortrages wurden als beispielhaft
bezeichnet.

 
 1.4 Exkursionen

Ein anderer wichtiger Bestandteil des akademischen Teils waren zahlreiche
Ausflüge die uns einen Einblick in das Bildungssystem in Alaska, mit seinen
vielfältigen Angeboten, ermöglichte.

Gleich am ersten Tag unterstützten wir die Betreuer bei den Special
Olympics. Das ist ein Sportprogramm für Kinder mit geistiger Behinderung.
Alles war bestens organisiert und die Sportarten waren sehr vielfältig und
spannend. Es gab nur ehrenamtliche Betreuer, von denen auch jeder engagiert
und mit Freude bei der Sache war. Es war eine tolle Erfahrung die jeder
von uns begrüßte, vor allem wenn man sah wie viel Spaß die Kinder hatten.
Wir besuchten eine Jugendhaftanstalt und ein Gefängnis. Vor Ort wurden
wir über Haftbedingungen und die schulischen Möglichkeiten der Insassen
aufgeklärt. Wir hatten auch die Gelegenheit mit den Lehrern über ihren
Tagesablauf, Bedingungen, Probleme und Methoden zu reden.

Das Highlight der Exkursionen war der Besuch der Sandlake Elementary
School und der East High School. Wir besuchten verschiedene Klassen und
Fächer und sahen viele der Methoden, die bei den Gastvorträgen genannt
und erklärt wurden, im Einsatz. Die Schüler eignen sich viel Stoff eigenverantwortlich
an und reflektieren ihre Arbeit hinterher selbstkritisch. 

Auch die Art der Wissensvermittlung ist eine andere. Es wird nicht soviel Wert auf
fachspezifisches Wissen gelegt, sondern mehr auf Problemlösungsstrategien,
Teamwork und wie Inhalte effektiv aufbereitet, angewandt und vermittelt
werden können. Auch die Disziplin und Mitarbeit der Schüler war vorbildlich.
Alle Gruppenteilnehmer waren beeindruckt und begeistert von diesen
zwei Tagen, da wir viele Möglichkeiten sahen um Unterricht anders, kreativ,
anschaulich und interaktiv gestalten zu können.

 2 Unterbringung

Die ersten zwei Wochen des Programms waren wir in einem Studentenwohnheim
untergebracht und die restlichen zwei Wochen bei verschiedenen Gastfamilien.

2.1 Studentenwohnheim

Die ersten beidenWochen im Studentenwohnheim waren eine ideale Gelegenheit
um die anderen Teilnehmer richtig kennen zu lernen, gemeinsam etwas
zu unternehmen und um gemeinsam an unseren Projekten zu arbeiten.

Wir waren in Apartments mit je 4 Zimmern, Kühlschrank, Mikrowelle
und 2 Bädern untergebracht. Die Türen aller Apartments waren meistens
offen, da wir uns oft zusammen im Gemeinschaftsbereich der Apartments
aufhielten.

Es gab viele Freizeitangebote wie ein Fitnessstudio, eine Eishalle, ein Hallenbad,
eine Sporthalle und vieles mehr, welche alle zu Fuß zu erreichen waren

und häufig genutzt wurden.
Es war eine tolle Zeit in der die Gruppe richtig zusammen wuchs. Der
Abschied vom Studentenwohnheim fiel uns allen schwer.

 

2.2 Gastfamilien

In den zwei Wochen bei den Gastfamilien erhielten wir einen Einblick in die
Lebensweise einer amerikanischen Familie. Wir diskutierten viel über Politik,
Berufsleben, Lifestyle und Alaska. Viele Amerikaner haben nicht nur einen
Job sondern zwei oder drei. Wir fanden es toll, dass die Eltern großen Wert
auf die Erziehung ihrer Kinder legen und teilweise auch selbst an den Schulen
mithelfen.


Die Menschen sind alle sehr freundlich, aufgeschlossen und gastfreundlich
und das nicht nur uns gegenüber sondern auch untereinander. Es ist sehr
einfach Kontakte zu knüpfen und neue Freunde zu finden.

 

Der Aufenthalt bei der Gastfamilie war außerdem eine ausgezeichnete
Gelegenheit um unsere Englischkenntnisse zu verbessern. In Deutschland beschränkte
sich der Englischunterricht zu einem großen Teil auf politische und
wirtschaftliche Themen aber wenig auf Alltagssituationen.


Wir sahen viel von Alaska und genossen die vielfältigen Freizeitaktivitäten.
Wir fuhren sogar ein Wochenende nach Fairbanks und sahen die facettenreiche
Landschaft Alaskas. Wir waren außerdem beim fischen, schießen,
klettern, besuchten einige Restaurants und erkundeten auch das Nachtleben.

 

Es war eine bereichernde Erfahrung und wir sind unserer Gastfamilie sehr
dankbar für diese wundervolle, lehrreiche und ereignisreiche Zeit.

3 Fazit

Die Summer School in Alaska war eine unbeschreibliche Erfahrung von der
alle profitieren konnten, sei es menschlich, fachlich oder mental.
Die Gruppe arbeitete toll zusammen. Der Zusammenhalt innerhalb der
Gruppe war beispielhaft und jeder konnte sich einbringen. Wir sind noch immer
alle in Kontakt und planen auch schon erste gemeinsame Reisen.

Der akademische Teil war hochinteressant, gut durchstrukturiert und zeigte
uns total neue Wege und Methoden auf. Außerdem bekamen wir einen
guten Einblick in das Bildungssystem der Vereinigten Staaten was ebenfalls
sehr aufschlussreich war.


Vor Ort war alles bestens organisiert und auf unsere Bedürfnisse abgestimmt.
Für Anliegen, egal welcher Art, fand man immer ein offenes Ohr.
Ich hoffe dass diese tolle Möglichkeit die nächsten Jahre weiter besteht
und möglichst viele Studenten in den Genuss dieser unvergesslichen Erfahrung
kommen.


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