Politiker signalisieren Handlungsbedarf:
Referendare müssen für ihre wertvolle Arbeit anständig entlohnt werden
Ein seltener Konsens quer durch alle im Landtag vertretenen Parteien herrschte bei einer Veranstaltung, die das Ärgernis "Bezahlung der Referendare" thematisierte. Mandatsträger aller fünf Fraktionen sind sich in der Forderung einig: Die Gehälter des Lehrernachwuchses müssen dringend spürbar angehoben werden.
Dies ist das ermutigende Ergebnis einer Podiumsdiskussion, zu der VLB und Fachschaft Lehrerbildung an der Technischen Universität gemeinsam eingeladen haben. Die Frage „Referendarsbezüge – Lassen wir unseren Nachwuchs im Stich?“ war Gegenstand eines brisanten Diskussionsabends, der den Ursachen für die die geringe Attraktivität des Lehrerberufs auf den Grund ging. Das Thema zog. Christoph Schindler, Vorsitzender der Fachschaft an der TU München und Fachgruppenleiter Studenten beim VLB konnte gut 200 Zuhörer in der Aula an der Lothstraße willkommen heißen.
Die Bildungspolitiker der Fraktionen fanden teilweise deutlich Worte für deren demütigende Entlohnung. So kritisierte etwa der für Fragen des öffentlichen Dienstes zuständige SPD-Abgeordnete Martin Güll, dass bei der Landesbank Milliarden vergeudet würden, ohne dass jemand zur Rechenschaft gezogen wird. „Sie aber kämpfen ums Überleben“, beschrieb er die Situation der Lehramtsanwärter. Auch Renate Will, die bildungspolitische Sprecherin der FDP stieß ins gleiche Horn: „Diese Situation ist nicht mehr länger hinnehmbar.“ Eduard Nöth, Abgeordneter der CSU und Mitglied im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport schlägt vor, das Thema Anwärterbezüge im Rahmen der Dienstrechtsreform anzupacken. Adi Sprinkart als Landtagsgrüner zuständig für Fragen des öffentlichen Dienstes, sieht die Referendare an den beruflichen Schulen in einer ganz besonderen Rolle. Sie seien älter, sähen sich konfrontiert mit ganz anders besoldeten Teilnehmern an den Sondermaßnahmen und müssten sich vergleichen mit den Schülern, die sie unterrichten. Wie dieser Vergleich aussieht, hat Heiko Pohlmann, nüchtern vorgerechnet. Ein Referendar verdient nicht mehr als der Straßenbau-, Zimmerer-, oder Maurerlehrling, den er unterrichtet. Er fordert deshalb eine Anhebung der Referendarsgehälter um mindestens 500 EUR.
Für den Freistaat sind Referendare recht billige Arbeitskräfte. Mit den Unterrichtstunden, die sie während ihrer Ausbildung halten müssen, spart Bayern 500 Lehrerstellen ein.
Dass die Forderung nach einer anständigen Referendarsbesoldung bei den Politikern auf offene Ohren stieß, dafür hatte in einem beeindruckenden Kurzstatement Katrin Fuchs gesorgt. Die Referendarssprecherin hat große Betroffenheit erzeugt, als sie glaubhaft darlegen konnte, dass die 1143, 67 € brutto tatsächlich zum Leben nicht reichen. Siggi Hummelsberger konnte sogar nachweisen, dass ein verheirateter Referendar mit einem Kind 50 EUR weniger verdient als ein entsprechender Hartz-IV-Haushalt. Jetzt heißt es am Ball bleiben. Alle Referendare und Fachlehreranwärter haben ein Anrecht auf ein Gehalt, das ihre wertvolle Arbeit anständig entlohnt.